Fr, 18.07.2008
Vicenca - Gardasee - Vicenza, 0 km mit dem Wohnmobil, 320 km mit dem Leihwagen

Gegen 09:15 Uhr werden wir wach, von draußen klatschen dicke Regentropfen an die Fensterscheibe. Na toll, denn eigentlich wollten wir heute zum Gardasee fahren. Egal, wir machen uns erst mal fertig und gehen runter ins Restaurant. Oh, niemand mehr da? Eine Angestellte ist gerade dabei, die Tische abzuräumen. Es ist 09:45 Uhr. Ich frage an der Rezeption nach, ob wir noch Frühstück bekommen können. "Eigentlich nur bis 09:30 Uhr", ist die Antwort. Wir könnten uns aber auch jetzt noch im Restaurant bedienen, müssten allerdings zum Essen hier in der Bar Platz nehmen. Kein Problem für uns. Da Fly sowieso nicht ins Restaurant darf, hätten wir das auch während der regulären Frühstückszeiten so machen müssen.

Gegen 10:15 Uhr sind wir fertig, sollen wir wirklich zum Gardasee fahren? Der Regen hat inzwischen nachgelassen, aber am Himmel ist nirgends eine Lücke in den Wolken zu sehen. Wir fahren trotzdem, das ist ja doch noch gut 1 Stunde bis dort, vielleicht ändert sich das Wetter bis dahin.

Den nördlichen Gardasee kennen wir schon, waren bereits in Riva, Torbole und Malcesine, sind am östlichen Ufer entlang bis Peschiera gefahren. Also wohin diesmal? Spontan fällt mir Sirmione ein, auf einer Halbinsel ganz im Süden des Sees gelegen. Meiner Frau ist es eigentlich egal und unsere Tochter will nur mal wieder im Süßwasser schwimmen, am liebsten zusammen mit Fly. Hunde sind in Italien am Strand strengstens verboten, das weiß sie genau, aber vielleicht ergibt sich ja doch eine Gelegenheit?

Als wir von der A4 runterfahren, herrscht plötzlich das schönste Wetter. Kaum zu glauben, aber man muss ja auch mal Glück haben. Und die Götter bleiben uns gewogen, denn wir finden auf Anhieb einen Parkplatz in der Nähe der Scaligerburg, die gleichzeitig den Zugang zur Stadt bildet. Ob sie denn nun schwimmen könne, will unser Nachwuchs wissen, schließlich scheint doch die Sonne. Also so warm ist es ja nun auch nicht, und außerdem wäre sie dann wohl die einzige weit und breit. Die Enttäuschung steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Die Burg wird natürlich gleich mal besichtigt. Meine Frau bleibt mit Fly draußen, sie hat ohnehin kein großes Interesse daran. Kinder dürfen kostenlos rein, dass es sowas noch gibt! Wir laufen auf der Außenmauer herum und gehen dann zielstrebig Richtung Turm, der mitten in der Anlage steht und von wo aus man sicher einen tollen Ausblick über die Stadt hat. Und nicht nur das, denn was entdeckt unser Töchterchen von dort oben? Einen Strand, an dem ein paar Kinder rumtoben und tatsächlich auch schwimmen! Also gleich mal zurück zum Auto, die Badesachen holen.

Es gibt hier am Strand zwar kein Verbot für Hunde, aber sie müssen angeleint sein, was das Schwimmen natürlich ausschließt. Schade, also geht unsere Kleine allein in die Fluten. Wäre die Leine nicht, würde Fly wohl den See mal kurz durchqueren, so sehr zieht es ihn Richtung Wasser. Endlich mal wieder Süßwasser, herrlich! Wir werfen einen angespülten Holzklotz ins kühle Nass, nur ein paar Meter, soweit eben die Leine reicht. Wie gesagt, ein Schwimmverbot haben wir nicht gesehen, und angeleint ist er ja nach wie vor. Niemand regt sich auf, ganz im Gegenteil. Einige Passanten sehen sogar interessiert zu, wie Fly mit Begeisterung immer wieder das Stück Holz heraus holt und es uns vor die Füße legt. Nach 10 Minuten wird es mir zu blöd und ich leine ihn ab. Seine Begeisterung kennt keine Grenzen, er schwimmt mit unserer Tochter um die Wette und will gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Und um es noch einmal zu betonen: Niemanden, aber auch wirklich niemanden stört es. Die Leute, egal ob sie selber schwimmen oder nur an uns vorbei spazieren, sehen dem Treiben interessiert zu und sind total begeistert, wenn Fly mit einem Riesensatz dem Stöckchen hinterher springt.

Gegen 16:30 Uhr kommt der Anruf vom ADAC, dass unser Auto fertig sei. Was die Reparatur kostet, kann mir die Dame am Telefon zwar nicht sagen, aber wir könnten das Fahrzeug heute bis 18:00 Uhr oder morgen bis 12:00 Uhr abholen. Na gut, heute wird das wohl nichts mehr, denn selbst wenn wir sofort losfahren würden, wären wir nicht vor Feierabend in der Werkstatt. Und wer weiß, wie lange die Autovermietung geöffnet hat? Außerdem kämen wir wohl kaum vor 20:00 Uhr weg, könnten uns also gleich wieder nach einem Stellplatz umsehen. Wozu also der Stress? Das Hotel und auch der Mietwagen sind bis morgen reserviert und wir haben dann noch 2 Tage, um nach Hause zurück zu fahren. Also immer locker bleiben.

Im letzten Herbst waren wir ja schon ein paar Tage am Gardasee und wollten ihn eigentlich mal komplett umrunden. Aber mit dem Wohnmobil ist das so eine Sache, denn vielfach wird einem davon abgeraten. Enge Tunnels in Verbindung mit entgegenkommenden Reisebussen am westlichen Ufer sollen die Fahrt sehr erschweren. Na gut, aber jetzt haben wir ja einen Pkw dabei. Nachdem alle Schwimmbedürfnisse befriedigt sind, nehmen wir somit die Gardasee-Umrundung in Angriff.

Die Tunnel entlang der SS45bis sind zum Teil tatsächlich sehr eng und vor allem für hohe Alkovenmobile schon ohne Gegenverkehr gefährlich, weil man deutlich zur Mitte der Fahrbahn versetzt hindurch fahren muss, will man nicht an den scharfkantigen Felsen an der Decke hängen bleiben. Kommt einem hier noch einer der erwähnten Busse entgegen, dann geht nichts mehr. Landschaftlich hat das westliche Ufer unserer Meinung nach auch nicht so viel zu bieten wie sein östliches Gegenstück. Dort laufen die Berge relativ flach aus und bieten so ausreichend Raum für Ortschaften und jede Menge Grün, während hier im Westen die Berge so steil abfallen, dass kaum genug Platz für die Straße bleibt.

Am nördlichen Ufer angekommen, statten wir natürlich "unserem" Stellplatz "Tr@nsit" in Torbole einen Besuch ab. Im Gegensatz zum jetzt schon aus allen Nähten platzenden "Camping Europa" gleich nebenan, gibt es hier auch während der Saison noch ausreichend Plätze. Wie uns die Dame an der Rezeption sagte, wird sich das bis morgen allerdings ändern, wenn (Zitat) "die Italiener über Torbole herfallen", was sie wohl an fast jedem Wochenende tun.

Wir streifen noch eine Weile durch Torbole und sind wieder mal begeistert von dem kleinen Städtchen. Wir gönnen uns noch einen leckeren Erdbeerbecher und lassen den Abend schließlich am Strand ausklingen. Schade nur, dass das Womo so weit weg ist, sonst wäre der Tag wirklich perfekt gewesen. Aber so müssen wir noch rund 140 Kilometer zurück ins Hotel fahren, was sicher 1 1/2 Stunden dauern wird. Gegen 22:00 Uhr brechen wir deshalb wieder auf nach Vicenza.